Fast 28 Millionen Auslandsreisen aus dem Nahen Osten stehen in diesem Jahr infolge des Iran-Krieges auf dem Spiel. Laut einer Oxford-Economics-Analyse trifft es Europa besonders hart – und drei Länder ganz besonders.
Fast 28 Millionen Auslandsreisen aus dem Nahen Osten sind in diesem Jahr infolge des Iran-Krieges gefährdet. Das geht aus einer Analyse des britischen Wirtschaftsforschungsinstituts Oxford Economics hervor. Andauernde Störungen im Luftverkehr sowie wirtschaftliche Auswirkungen des Konflikts seien die Ursache, erklärten Helen McDermott, Leiterin des Bereichs Global Forecasting bei Oxford Economics, und Senior Economist Jessie Smith.
Die Zahlen reihen sich in ein Bild massiver wirtschaftlicher Schäden ein: Dem Welttourismusverband WTTC zufolge entgehen der Nahost-Region täglich rund 600 Millionen US-Dollar an Reiseeinnahmen. Normalerweise passieren rund 526.000 Passagiere pro Tag die Drehkreuze in Dubai, Abu Dhabi, Doha und Bahrain. Seit Kriegsbeginn sind diese Flughäfen geschlossen oder nur sehr eingeschränkt nutzbar. Für 2026 hatte der WTTC vor dem Konflikt Ausgaben internationaler Besucher in der Region von rund 207 Milliarden US-Dollar erwartet.
Europa ist der Oxford-Economics-Analyse zufolge besonders stark exponiert: 60 Prozent der entfallenden Reisen entfielen auf den europäischen Kontinent, so Smith. Unter den einzelnen Ländern seien die Türkei, Frankreich und das Vereinigte Königreich am stärksten betroffen, da sie traditionell einen überdurchschnittlich hohen Anteil an Besuchern aus dem Nahen Osten verzeichnen.
Der Luftverkehr in der Region liegt weitgehend lahm. In der ersten Kriegswoche wurden mehr als 21.300 Flüge an sieben großen Flughäfen gestrichen. Bahrain meldete 100 Prozent Streichungen, Doha 94 Prozent, Kuwait 78 Prozent, Abu Dhabi 73 Prozent. Am Flughafen Dubai fiel knapp ein Drittel aller geplanten Verbindungen aus.
Reisende weichen auf sichere Regionen aus
Als strukturelle Konsequenz des Konflikts erwartet das Tourism-Economics-Team von Oxford Economics eine stärkere Regionalisierung des Reiseverkehrs. Reisende betrachteten lokale Destinationen zunehmend als sicherere Alternative und wählten entsprechend näher gelegene Reiseziele. Innerhalb Europas könnten davon vor allem Spanien, Portugal und Griechenland profitieren. Als weitere Ausweichziele außerhalb Europas nannte Oxford Economics Ägypten, Marokko und Tunesien.
Erste Buchungsdaten aus der deutschen Reisebranche stützen diese These. Der Reisekonzern Tui verzeichnet anziehende Buchungszahlen für die Karibik, die Kapverden, Hawaii und Japan. Dertour meldet verstärkte Nachfrage für das westliche Mittelmeer — Balearen und Kanaren. Der Deutsche Reiseverband (DRV) gibt sich grundsätzlich zuversichtlich: "Tourismus ist eine sehr resiliente Branche – sobald Stabilität zurückkehrt, kehrt auch die Reiselust der Menschen zurück."
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