Jets von Sun Express und Turkish Airlines kamen sich in Stuttgart gefährlich nahe - weil Lotse spontan Reihenfolge änderte

Veröffentlicht am 23. März 2026 um 10:56

Ein startender Airbus A321 von Turkish Airlines und eine landende Boeing 737 von Sun Express kamen sich vor zweieinhalb Jahren am Flughafen Stuttgart gefährlich nahe. Der Abschlussbericht der Untersuchung zeigt nun, wie es zu der brenzligen Situation kommen konnte.

 

 

Am Abend des 23. Oktober 2023 gegen 19:45 Uhr war einiges los am Flughafen Stuttgart. Ein Airbus A321 von Turkish Airlines machte sich bereit für den Start nach Istanbul und aus der General Aviation wollten eine Embraer EMB-500 sowie eine Beechcraft King Air 350 starten. Um 19:48 Uhr landete ein Airbus A319 an dem süddeutschen Airport und eine Boeing 737-800 von Sun Express, die aus Antalya kam, befand sich dahinter im Landeanflug.

 

 

Doch es lief etwas schief. Zwar verliefen die Landung des A319 und der Start der EMB-500 auf Piste 07 ohne Probleme. Anschließend begann dort der A321 mit dem Kennzeichen TC-JSZ seinen Startlauf. Doch noch bevor das Flugzeug von Turkish Airlines die Piste verlassen hatte, überflog die Boeing 737 in einer Höhe von fünfeinhalb Metern über Grund die Pistenschwelle. Sie befand sich da nur knapp 1600 Meter hinter dem A321.

 

Boeing 737 muss durchstarten und Linkskurve fliegen

 

 

Die Boeing 737 mit dem Kennzeichen TC-SOR startete auf Anweisung der Flugsicherung durch, der A321 hob ab. Auch in der Luft waren die Jets zunächst nur knapp 1630 Meter voneinander entfernt. Dann flog die Boeing 737 nach mehrmaliger Aufforderung eine Linkskurve.

 

 

Schließlich landete der Flieger von Sun Express im zweiten Anlauf sicher in Stuttgart, der Turkish-Airlines-Jet flog ohne weitere Probleme nach Istanbul. Doch beide waren sich zu nahe gekommen. Wie es dazu kam, zeigt der nun veröffentlichte Abschlussbericht der Bundesstelle für Flugunfalluntersuchung BFU, die den Vorfall als schwere Störung wertet.

 

Diese Fehler machte der Platzverkehrslotse in Stuttgart

 

 

«Die schwere Störung ist darauf zurückzuführen, dass der Platzverkehrslotse: kurzfristig/spontan die Abflugreihenfolge änderte, dabei den Zeitbedarf für deren Umsetzung falsch einschätzte und sich spät zur Durchstartanweisung entschloss», lautet das Fazit der BFU. Doch was war im Detail geschehen? Auch das zeigt der Untersuchungsbericht.

 

Der ursprüngliche Plan des Platzverkehrslotsen war es, nach der Landung des A319 den A321 vor der Beechcraft King Air 350 abfliegen zu lassen, obwohl deren Crew sich zuerst abflugbereit gemeldet hatte. «Ein wesentlicher Grund für den Lotsen lag in den verglichen mit dem Airbus deutlich geringeren Flugleistungsdaten des Turbopropflugzeuges, die sich während des gesamten Abfluges verzögernd ausgewirkt hätten», erklärt die BFU und nennt diese Entscheidung «nachvollziehbar». Doch der Lotse blieb nicht bei diesem Plan.